[Auszug aus den Erinnerungen eines Kapitäns, notiert auf dessen Totenbett]

Ich sage Ihnen, schon der Anblick des Tieres lässt einem das Herz höher schlagen. Seine Größe übertrifft die der größten Schiffe und sein Gesang hallt auf den Meeren wieder. Eine einzige Flosse ist so schwarz wie die Felsen auf dem Grund der dunkelsten Gewässer, doch der Rest des Tieres ist so weiß wie tyvianischer Schnee. Selbst die Tentakel unterhalb seines Gesichts sind von bleichem Weiß. Sie zappeln und verdrehen sich in den dunklen Tiefen. Wenn ein großer Wal durch das Wasser bricht, verliert alles andere an Bedeutung, wird entfernt und klein, als wäre man zu einem verlorenen, einsamen Ort transportiert worden, der nicht existieren kann oder darf.

Mein ganzes Leben lang hing ich diesem Traum nach, der sich mir ins Gedächtnis einbrannte, als ich gerade einmal zehn Jahre alt war. Seit meinem ersten Jahr auf See hat mich diese Schau nie verlassen. Ich habe seine Spuren verfolgt, halb-wahre Gerüchte auf die geringsten Hinweise hin verfolgt: der Teil eines Liedes, gesungen von Musikern in einer Kneipe in Morley, am Rande einer Stadt nördlich von Caulkenny, oder eine Zeichnung, die in den Hinterlassenschaften eines toten Seemannes gefunden wurde. In seltenen Momenten hatte ich greifbarere Beweise, etwa ein Abendessen und ein Gespräch mit einem Kapitän, der im letzten Jahr einen großen Wal gesehen hatte.

Mit 13 war ich mit Walschaum bestens vertraut und mit 16 zweiter Kapitän, auf unbekannten Gebieten der See unterwegs. Als ich mit 20 mein eigenes, reichlich klappriges Schiff bekam, war ich bereits als der blutrünstigste Walfänger der ganzen Inseln bekannt, der besessenste und der, den die Frustration in den Wahnsinn getrieben hatte.

Doch wie viele Hundert Wale ich auch jagte und tötete, ich sah den Traum nie wieder. Ich trieb mein Schiff und meine Männer an wie Schlittenhunde im kältesten Winter. Im Laufe meines Lebens gab ich die Hoffnung nie auf, ihn noch einmal zu sehen, das kalte tote Fleisch an Deck zu berühren. Ich musste noch einmal seinen Gesang hören, musste wissen, welche Wirkung er auf mich hatte, mich in die letzten Momente seines Lebens werfen.

Doch jetzt, da ich gegen mein eigenes Alter und meine schwindende Gesundheit ankämpfe, bringt mein wachsender Wahn diese Vision zum Verstummen, meinen Kindheitstraum, sodass ich mich frage, ob er überhaupt jemals wahr gewesen ist. Meine Lebensgeschichte scheint bereits geschrieben zu sein, und ich scheine versagt zu haben. Ich muss nun feststellen, dass dieser Traum reiner Wahnsinn war. War er tatsächlich real? In meiner Welt war er es.

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