[Auszug aus einem Kinderbuch]
Im üppig grünen Garten auf leisen Knien
kauerte Rosalind mit ihrem Korb vor einem Rosenstrauch.
Das Mädchen beugte sich nach vorne, streichelte behutsam eine der Rosen
und holte dann eine Schere hinter dem Rücken hervor,
die es dort versteckt gehalten hatte, als würden die Klingen die Blumen erschrecken.
Als sie die Schere bereithatte, griff sie sich einen der Stengel
und wollte gerade die Klinge ansetzen,
da schien es, als würde sich die Blume zur Wehr setzen,
denn sie beantwortete Rosalinds Griff, indem sie ihr einen Dorn in den Daumen bohrte.
Ein einzelner Blutstropfen entsprang der Wunde.
Doch noch bevor Rosalind den verletzten Daumen an die Lippen setzen konnte,
schloss sich eine Hand um ihr Handgelenk.
Ihre Mutter stand neben ihr und hatte beobachtet, was geschehen war.
"Die Rose verlangt ihren Preis, meine Liebe. Du darfst ihn ihr nicht versagen."
Rosalind weinte, als ihre Mutter die Hand über das Blumenbeet hielt
und sanft ihren Daumen drückte.
Drei Blutstropfen benässten den trockenen Boden.
Als ihre Mutter sich wieder entfernte, trocknete Rosalind ihre Tränen
und nahm ihre Schere fest zur Hand.
Als sie den Garten verließ, war ihr Korb randvoll.
Drei Blutstropfen und eine blutrote Blüte
waren alles, was sie in dem einst so prachtvollen Garten zurückgelassen hatte.