Die Geschichte von Drapers Ward

The Brigmore Witches

[Auszug aus dem kürzlich erschienenen Buch "Die Bezirke von Dunwall"]

Dieses Kapitel befasst sich mit dem einst blühenden Drapers Ward. Vor der Kaldwin-Dynastie war der Bezirk vom heutigen Wohlstand weit entfernt. Drapers Ward war früher einmal ein einfaches Handwerkerviertel, in dem Stoffe unterschiedlichster Art hergestellt wurden, die in alle Ecken des Kaiserreichs beliebt waren. Wassergetriebene Manufakturen arbeiteten tags und nachts, um die Nachfrage der schnell wachsenden Textilindustrie bedienen zu können. Über viele Jahrzehnte blieb man in Drapers Ward bescheiden, bis schließlich die großen Manufakturen damit begannen, Fabriken in Serkonos und Morley zu errichten. Die dortigen Arbeitskosten waren um ein Vielfaches günstiger und der begrenzte Platz am Ufer von Dunwall, den die Fabriken wegen der Nähe zum Wasser benötigten, hatte eine Vergrößerung der Betriebe unmöglich gemacht.

Am Ende dieser Epoche boten die sinkende Produktion und verlassene Fabriken die Grundlage für eine neue Generation talentierter und ambitionierter Fabrikanten. Ein loser Zusammenschluss aus Textilienhändlern, unter anderem mit Lichtgestalten wie Percy Oliver, Agatha Chesney und Mortimer Hat in seinen Reihen, begann damit, ein neues Geschäftsmodell zu etablieren: exklusive Bekleidung für Dunwalls Oberschicht zu hohen Preisen.

Die besten Schneider des ganzen Kaiserreichs wurden von den Boutiquen von Drapers Ward angelockt. Hier mussten sie nicht mehr um Kunden kämpfen. Sie wurden sogar selbst ein Teil der hohen Gesellschaft, wurden gefeiert und gehuldigt. Immer häufiger ließen sich die Mächtigen und Einflussreichen der Stadt in Drapers Ward blicken und bezahlten jeden Preis, um sich in der neuesten Mode zu zeigen. Der Bezirk erlebte einen steilen Aufstieg. Verschwenderischer Reichtum und Luxus wurden unter den Eigentümern und Schneidern zur Selbstverständlichkeit.

Doch es gab nicht nur Glanz und Gloria. Die Umgestaltung von Drapers Ward verschlang Unsummen von Geld und viele Bemühungen, die Quelle dieses vielen Geldes ausfindig zu machen, verliefen im Sande. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass Mortimer Hat in seinen jungen Jahren der rücksichtslose Kopf einer Bande gewesen sei, und es war ein offenes Geheimnis unter der Stadtwache, dass er noch immer eine kleine Privatarmee stahlharter Männer befehligte, die seine Interessen schützte.

Eine schreckliche Wahrheit wurde nach und nach bekannt. Während die Schneider und Händler in ihren exklusiven Boutiquen frönten, herrschten in den Kleiderfabriken Not und Elend. Obgleich ihr Geschäft viel Geld brachte, sahen die vielen Näher nichts von diesem Reichtum. Stattdessen zwangen Hats Leute ihnen brutale Arbeitsbedingungen auf. Je schlimmer dieser Zustand wurde, der sich immer öfter in Gewalt auf offener Straße niederschlug, desto mehr betuchte Bürger sahen davon ab, in den Boutiquen weiter einzukaufen. Mit einem Schlag brach das Geschäft zusammen und nun, angesichts der Gerüchte über eine drohende Seuche, sieht die goldene Ära von Drapers Ward wohl ihrem Ende entgegen.

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